Sonne

Sonnenpfad 4: Eidechsen

Die Zauneidechse (Lacerta agilis)

Verbreitung

Die Zauneidechse ist eine der am verbreitetsten Eidechsenarten in Europa. Ihr Verbreitungsareal erstreckt sich von Mittelschweden im Norden bis Zentralgriechenland im Süden sowie von Südengland im Westen bis Sibirien. Es handelt sich dabei zumeist um Regionen mit einem gemäßigten Klima. Lediglich an den Arealrändern werden auch kaltgemäßigte oder subtropische Regionen bewohnt. Die Verbreitung der Zauneidechse erstreckt sich bis in hohe Lagen auf über 2.000 Meter.

In Baden-Württemberg kommt die Art nahezu flächendeckend vor. Lediglich in großflächigen Waldgebieten und Lagen über 1.050 Metern im Schwarzwald und der Schwäbischen Alb fehlt die Art.

Lebensräume

Die Zauneidechse ist ein typischer Bewohner von Grenz- und Übergangsbereichen, wie sie an Waldrändern in Flussauen und Gebirgen vorhanden sind. Sehr häufig werden inzwischen sekundäre Lebensräume besiedelt, wie Bahnlinien oder Randbereiche von Verkehrswegen, da dort vergleichbare Strukturen wie in ihren natürlichen Biotopen vorhanden sind. Die natürlichen sowie sekundären Lebensräume weisen eine hohe strukturelle Vielfalt auf, sowohl mit zahlreichen Sonnenplätzen aber auch schattigen und feuchten Bereichen. Weitere Strukturen sind beispielsweise Altgrasbereiche, Moospolster sowie Holz- oder Steinhaufen.

Fortpflanzung

Nach der Winterruhe kommen die Zauneidechsen je nach Witterung ab März aus ihren Verstecken. Die Weibchen erscheinen meist wenige Wochen nach den Männchen. Die Paarungszeit erstreckt sich von Ende April bis Mitte Juni. Zur Paarungszeit trägt das Männchen sein leuchtend grünes Hochzeitsgewand. Nach der Paarung legen die Weibchen zwischen Ende Mai und Anfang August in gegrabenen Erdhöhlen an offenen und sonnigen Bodenstellen ab. Die Jungtiere schlüpfen in Abhängigkeit der Temperatur nach vier bis zehn Wochen. Geschlechtsreif werden die Jungtiere erst ab dem dritten bis vierten Lebensjahr.

Nahrung

Zauneidechsen ernähren sich räuberisch. Auf dem Speiseplan stehen insbesondere Insekten und Spinnentiere, es werden aber auch Regenwürmer verzehrt. Das Beutespektrum variiert im Jahresverlauf. So werden im Frühjahr besonders Käfer und deren Larven gefressen, wohingegen im Sommer vor allem Heuschrecken und Raupen gefressen werden.

Gefährdung und Schutzstatus

Die Zauneidechse ist eine  europäisch geschützte Art des Anhangs IV der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. In Deutschland gehört sie zu den streng geschützten Arten. In Baden Württemberg wird die Art in der Roten Liste auf der sogenannten Vorwarnliste geführt. Dies bedeutet, dass die Zauneidechse aktuell zwar nicht gefährdet ist, sich aber der Zustand in den nächsten Jahren verschlechtern kann.

Eine Gefährdungsursache ist der Verlust von Kleinstrukturen durch intensive Landbewirtschaftung und Flurbereinigungen aber auch die Flächeninanspruchnahme durch Bau von Siedlungen und Verkehrswegen, durch deren Bau Lebensräume zerschnitten werden. Eine weitere Ursache ist die Aufforstung oder die natürliche Verbuschung von Heideflächen und Magerrasen.

Abb. 1: Verbreitung der Zauneidechse in Baden-Württemberg (Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg)

 

 

 

Quellen: LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (2020): Artensteckbrief Zauneidechse. Karlsruhe, 4 S. DGHT Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (2020): Die Zauneidechse. Reptil des Jahres 2020. Broschüre, Salzhemmendorf, 23 S.

 

Die Mauereidechse (Podarcis muralis)

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich im Norden von den Süd-Niederlanden bis nach Kalabrien im Süden sowie im Westen von Zentral- und Bordost-Spanien über Mittel- und Südeuropa sowie die Balkanländer bis zur Westküste des schwarzen Meeres und Nordwest-Anatolien im Osten. In den südlichen Regionen ist die Mauereidechse bis zur montanen Stufe verbreitet, aufgrund von klimatischen Verhältnissen ist die Art in Deutschland hingegen vorwiegend in niedrigen Höhenlagen anzutreffen.

In Baden-Württemberg besiedelt die Mauereidechse weite Teile der Oberrheinebene, den unteren Neckar, den östlichen Kraichgau, den Hochrhein sowie den West- und Südrand des Schwarzwaldes

Lebensräume

Zu den natürlichen Lebensräumen zählen besonnte Offenlandflächen, die durch Erosion, Überschwemmungen, Windwurf oder Brände entstanden sind. Diese sind bei uns vor allem in Form von Abbruchkanten, Blockhalden und Felsformationen sowie lichten Steppenheidewälder und Eichenhangwälder zu finden. Sekundäre Lebensräume sind insbesondere trockenwarme, vegetationsarme und südexponierte Standorte, wie sie in terrassierten Weinbaugebieten zahlreich vorhanden sind. Weitere bedeutsame Ersatzlebensräume stellen zudem Gleisschotterflächen an Bahndämmen dar.

Fortpflanzung

Nach der Winterruhe kommen die Mauereidechsen je nach Witterung ab Ende Februar oder Anfang März aus ihren Verstecken. Die Weibchen erscheinen meist wenige Wochen nach den Männchen. Die Paarungszeit erstreckt sich von April bis Mai. Zur Paarungszeit weisen die Männchen häufig eine leuchtend himmelblaue Färbung der Bauchrandschilde sowie eine gelblich, orange oder rötliche Färbung der Kehle und der Unterseite auf. Nach der Paarung legen die Weibchen zwischen Ende Mai und Mitte August in gegrabenen Erdhöhlen an offenen und sonnigen Bodenstellen sowie Mauerspalten ab. Die Jungtiere schlüpfen in Abhängigkeit der Temperatur zwischen Ende Juli bis Anfang September. Geschlechtsreif werden die Jungtiere erst ab dem dritten Lebensjahr

Nahrung

Mauereidechsen ernähren sich räuberisch. Auf dem Speiseplan stehen insbesondere Insekten und andere Gliederfüßler. Neben Zweiflügler, Spinnentieren, Asseln und Tausenfüßlern werden auch Schmetterlinge, Käfer, Hautflügler, Schnecken, Regenwürmer und Springschwänze verzehrt. In Weinanbaugebieten fressen Mauereidechsen zudem herabgefallene Weintrauben.

Gefährdung und Schutzstatus

Die Mauereidechse ist eine europäisch geschützte Art des Anhangs IV der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie. In Deutschland gehört sie zu den streng geschützten Arten. In Baden Württemberg wird die Art in der Roten Liste als stark gefährdet eingestuft.

Zu den Gefährdungsursachen gelten heute vor allem der Verlust von terrassierten Weinbaulagen aufgrund von Nutzungsaufgabe und Sukzession sowie Baumaßnahmen an Bahnhöfen und Bahndämmen. Weitere Ursachen sind zudem die zunehmende Verbuschung und Bewaldung geeigneter Lebensräume, wie stillgelegter Steinbrüche oder Abraumhalden, aber auch der Ersatz von Trockenmauern durch fugenlose Betonmauern.

Abb. 2: Verbreitung der Mauereidechse in Baden-Württemberg (Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg)

 

 

 

 

 

 

 

Quellen: LUBW Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (2020): Artensteckbrief Mauereidechse. Karlsruhe, 4 S. DGHT Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e.V. (2020): Die Mauereidechse. Reptil des Jahres 2011. Broschüre, Rheinbach, 23 S.